Familiengeheimnisse: Albert Einsteins verschwundene Tochter

In vielen Familien gibt es Ereignisse oder Personen, über die nicht gesprochen wird. In der Familie von Albert Einstein ist das Familiengeheimnis seine Tochter „Lieserl“.

Die Existenz dieser Tochter war in der Öffentlichkeit lange nicht bekannt. Erst 30 Jahre nach dem Tod Albert Einsteins wurden Briefe entdeckt, in denen diese Tochter erwähnt wird. Und ihr Schicksal ist immer noch ein großes Geheimnis.

Hier ist die Geschichte:
Albert Einstein und seine spätere Frau Mileva Marić lernten sich 1896 während des Studiums am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich kennen und verliebten sich. 1901 wurde Mileva schwanger. Mileva wünschte sich ein Mädchen, ein „Lieserl“, Albert hoffte auf einen Jungen, ein „Hanserl“.
Für Albert Einstein war klar, dass er mit Mileva eine  Familie gründen wollte, in einem Brief schrieb er „Sei nur guten Mutes meine Liebe, und mach die keine Grillen. Ich verlassen dich ja nicht und werde schon alles zu einem guten Ende bringen“.

Die Zukunft der beiden war unsicher, denn Einstein hatte zwar sein Studium beendet, aber noch keine Anstellung gefunden.

Ende 1901 reiste die hochschwangere Mileva Marić zu ihren Eltern nach Novi Sad (damals Österreich-Ungarn, heute Serbien). Albert schrieb ihr Briefe, in denen er seine Vorfreude auf das Kind zeigte.

Am 27. Januar 1902 wurde das Mädchen auf einem Anwesen der Familie Marić in der Kleinstadt Titel, bei Novi Sad, geboren. Albert Einstein, der immer noch in der Schweiz war, freut sich in einem Brief „Ist es auch gesund und schreit es gehörig? Was hat es denn für Augerl? Wen von uns sieht es mehr ähnlich?“ Und „ich hab es so liebt & kenns doch gar nicht“.

Im Februar 1902 zieht Albert Einstein nach Bern und tritt dort im Juni seine neue Stelle im eidgenössischen Patentamt an. Ende 1902 kommt Milena nach Bern, das Kind bleibt bei ihren Eltern.

Am 6. Januar 1903 heiraten Albert Einstein und Mileva Mari im kleinsten Kreis, weder aus Alberts noch aus Milevas Familie war jemand anwesend. Die Existenz des Kindes wird verschwiegen. „Herr und Frau Einstein, keine Kinder“ lautet der Eintrag beim Einwohnermeldeamt.

Auch den Freunden und Bekannten des Paares war von der Tochter nichts bekannt.
Es scheint so, als ob das Ehepaar die Tochter nicht zu sich nehmen wollte.
Ein Grund dafür könnte sein, dass ein unehelich geborenes Kind für die Karriere Einsteins sehr hinderlich gewesen wäre.

Im August 1903 fuhr Mileva nach Novi Sad, denn das kleine Mädchen war an Scharlach erkrankt. Dies geht aus dem Briefwechsel hervor, in dem sich Albert nach dem Zustand des Kindes erkundigt. In einem Brief Albert Einsteins vom 19. September 1903 wird das Kind letztmalig erwähnt.

Ob die Kleine – deren richtiger Vorname übrigens nirgendwo erwähnt wird, die nur aus dem Briefwechsel während der Schwangerschaft als „Lieserl“ bekannt ist – an Scharlach verstorben ist, oder ob sie zur Adoption freigegeben wurde, das ist bis heute nicht geklärt.

In den Jahren 1904 und 1910 bekam das Ehepaar Einstein zwei Söhne, Hans Albert und Eduard.

Die Ehe von Albert und Mileva verlief nicht glücklich. Inwieweit die Vorkommnisse um die Tochter dabei eine Rolle spielten, darüber kann man nur spekulieren. Jedenfalls klappte das Familienleben nicht gut, es gab viel Streit und Eifersucht.

Im Jahr 1914 zog die Familie nach Berlin, wo es Mileva gar nicht gefiel. Es kam zum endgültigen Bruch und Mileva zog mit den beiden Söhnen zurück nach Zürich. 1919 wurde die Ehe dann geschieden.

Aber zurück zu „Lieserl“:
Nachdem durch die Veröffentlichung der Briefe Albert Einsteins in den 1980er Jahren die Existenz der Tochter bekanntgeworden ist, haben viele Einstein-Forscher versucht, das Rätsel um ihren Verbleib zu lösen.

Trotz intensiver Suche wurden keine Einträge in Kirchenbüchern oder Standesämtern gefunden.
Es wurden auch viele Zeitzeugen und Verwandte befragt, allerdings ohne konkretes und belegbares Ergebnis.

Hans Albert Einstein, der ältere Sohn, hat berichtet, dass seine 1948 verstorbene Mutter sich trotz eindringlicher Bitten geweigert hat, über die Tochter zu sprechen. Das Thema sei „zu persönlich“.

Viele Spekulationen entstanden über den Verbleib der kleinen Tochter.

So gibt es das Gerücht, dass das Kind behindert war und deshalb zur Adoption freigegeben werden sollte. Diese Geschichte ist entstanden, als auf einem Dachboden in Serbien ein medizinisches Buch gefunden wurde, das Mileva Einstein-Marić gehört haben soll. In diesem Buch soll Mileva Stellen unterstrichen haben, die über Ursachen für die Entstehung von Behinderungen berichten.

Ein anderes Gerücht besagt, dass Helene Savić, eine gute Freundin Milevas, das Kind anstelle ihrer kurz zuvor gestorbenen kleinen Tochter Julka zu sich genommen hat. Beweise dafür wurden allerdings nicht gefunden.

Und dann gab es noch die Nonne Teodora, die 1976 unter dem Namen Nada Marić in ein Kloster eingetreten und dort 1991 gestorben ist. Auch von ihr wurde gesagt, sie sei „Lieserl“. Dies wurde allerdings von Mitgliedern der Familie Marić bestritten.

Die Schauspielerin Grete Markstein behauptet bei ihrer Emigration nach London im Jahr 1933, sie sei Albert Einsteins Tochter. Sie wurde allerdings später als Hochstaplerin entlarvt.

Was geschah nun wirklich mit der kleinen „Lieserl“? Starb sie 1903 als kleines Kind an Scharlach oder überlebte sie und wuchs in einer anderen Familie auf? Wir wissen es nicht.

Vielleicht werden irgendwann Dokumente auftauchen, die dieses Familiengeheimnis der Einsteins aufdecken.

Gibt es in Ihrer Familie auch solch ein ungelöstes Rätsel?

Viel Erfolg bei der Familienforschng wünschen
Johanna Madrasch & Hans Ellinger

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